Selbstverteidigung & Selbstbehauptung für Frauen und Mädchen


"Bei der Verteidigung gegen klassische- und sexuell motivierte Gewalt 

gegen Mädchen & Frauen, darf es keine Kompromisse geben!"


 Modul 1:

Psychologie & Rhetorik

• Kommunikationsgrundlagen

• lösungsorientierte Gesprächsführung

• Mimik- und Körpersprachetraining

• ´Das limbische System´

• Kategorisierung von Wirkungseffekten und deren Nutzung

   (Primacy-Effekt, Halo-Effekt, Recency-Effekt, u.s.w.)

• Informationskanäle der menschlichen Kommunikation

• verbale und rhetorische Deeskalationstechniken

• Umgang mit Gewalterfahrungen und erlebten hilflosen Situation nach erlebten Gewaltsituationen

• Wachsamkeit im Alltag, Verhältnismäßigkeit der Mittel

• Notwehrrecht und Fallbeispiele (was darf ich wann und wie?)

• Täterkunde und richtige geistige Einstellung in Bedrohungssituationen

• Achtsamkeitsschulung (potenzielle Gefahren erkennen bevor sie zur akuten Gefahr werden)

 

Modul 2:

Selbstverteidigung & Selbstbehauptung

• Situationsbedingte effektive Nahkampftechniken

   (gegen verbale Angriffe, gegen würgen, festgehalten werden, zu Boden gestoßen werden, gegen Schläge und Tritte,

    in sitzender Position (z.B.: im Bus, o.ä.), und jeder weiteren denkbaren Situation)

• Gefahrenerkennung und eigene Positionierung (den Gegner „lesen“ lernen)

• Grundprinzipien der waffenlosen Selbstverteidigung & Distanzschule

• Kennenlernen von anatomischen Schwachstellen und Vorgehensweisen von

   potenziellen Angreifern/Aggressoren

• Die 5 waffenlosen Kampfdistanzen

• Training mit dem Schlagpolster (zum kennen lernen und entwickeln der eigenen Schlag- und Trittkraft)

• Partnerübungen und Lösetechniken zu verschiedenen Situationen

   (gegen: anfassen, festhalten, würgen, schlagen, treten, Kopfstoß, usw.)

• allgemeine Übungen zur körperlichen Ertüchtigung (Aufwärmen, Muskellängung, Atemkontrolle, weiteres)

• Einsatz von Alltagsgegenständen zur Verteidigung

 


Hier könnt Ihr ein paar Impressionen eines Damen Verteidigungslehrgang sehen


„Fakten und Erfahrungswerte insbesondere über den sexuell motivierten Täter Typ“

 

Hallo liebe Eltern, Freunde und Leser,

ich möchte an dieser Stelle einmal häufigen, meist falschen Erwartungshaltungen und weit verbreiteten Meinungen unserer Gesellschaft Stellung nehmen.

 

In den Medien wird meist von Tätern gewarnt, die in Tiefgaragen, Stadtparks, dunklen Ecken, usw. ihr Unwesen treiben. Statistisch betrachtet entspricht dies keinesfalls der Realität.

Im Gegensatz dazu hört man über eine Sekretärin welche aus Angst über die sexuellen Übergriffe durch ihren Chef schweigt, in der täglichen Berichterstattung gar nichts, noch hört man in den seltensten Fällen etwas über eine Schülerin dessen Lehrer sie belästigt.

Die Ausnahme bilden hier die sogenannten ´Besonders schweren Fälle´.

Wir erfahren in der Regel in den Medien auch verschwindend selten etwas von der Ehefrau, die von ihrem Ehemann oder Freund geschlagen wird, geschweige denn über die 14-jährige, deren Eltern ihr (aus Ohnmacht) nicht glauben mögen, dass ihr Onkel oder Cousin versucht hat, sie ´anzufassen´ oder sie gar zu vergewaltigen.

 

Nachbarn, Arbeitskollegen und Bekannte geben nach bekannt werden einer sexuell motivierten Straftat die gleichen Paradigmen zu Protokoll, wenn man sie über den Täter befragt;

„Ganz unauffällig war er (…)“, „Einer wie du und ich (…)“, und ganz oben auf der Liste; „Dass der sowas machen würde, hätte ich nie gedacht!“

 

Faktum ist: Die Täter sind in der Regel „Normalos“ und kommen aus dem näheren oder erweiterten Umfeld des Bekanntenkreises des Opfers. Die Kriminalstatistiken der Kriminologische Zentralstelle (KRIMZ) und des Bundeskriminalamtes (BKA) aus dem Jahr 2020 und davor, belegen, dass erschreckender Weise die meisten Täter:

 

• Arbeitskollegen

• Nachbarn

• Briefträger

• Lehrer

• Vertraute

• usw.

sind.

 

Dadurch dass die Gewalt Zuhause oder in einem von der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Raum stattfindet, ist diese Art der Gewalt schon lange ein Tabuthema, da sie eine sogenannte ´Black-Box´ ist. Auch dem Opfer keinen Glauben zu schenken, wenn es von einem Übergriff berichtet oder diesen andeutet, führt dazu, dass Betroffene sich nicht trauen etwas zu sagen. Schamgefühl spielt beim dem verschweigen ein Opfer geworden zu sein, ebenfalls mit in die Lage hinein.

Als Folge entstand eine falsche und deshalb höchst gefährliche Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und der Medien, Opfer einer sexuell motivierten Straftat zu werden. Dem klischeehaften maskierten Unbekannten im Gebüsch und in den dunklen Gassen! Diesen Täter Typ will ich hier nicht wegrationalisieren, nur hat er einen verschwindend geringen prozentualen Anteil in der Gesamtstatik. Der, oder die Täter sind also in den seltensten Fällen absolut Fremde, sondern der Täter ist dem vermeintlichen Opfer zumindest flüchtig bekannt.

Ergänzend füge ich hinzu, hier sind Mädchen und Jungen gleichermaßen gefährdet Opfer eines Übergriffs zu werden.

 

Im Zuge meiner Arbeit im Personenschutz, im Veranstaltungsschutz und Erfahrung als Selbstbehauptungs- und SV Lehrer (speziell auch für junge Frauen/Mädchen/Migrantinnen), sowie als Sicherheitsdienstleister, besteht für mich erfahrungsgemäß keinerlei Zweifel, dass sich jeder aus vollem Herzen gegen seinen Angreifer verteidigen muss. Sei es durch strategisch gut getimte körperliche Gegenwehr und/oder durch den Einsatz der eigenen Stimme, und auch in der späteren Anzeigenaufnahme bei der Polizei, und bei der späteren Gerichtsverhandlung. Die Opfer & Betroffenen sollten sich in jeder Instanz entschlossen und selbstbewusst ihrem Peiniger entgegenstellen, auch entgegen jeder empfundenen Angst.

Von meiner Expertise aus betrachtet, sprechen wesentlich mehr Parameter dafür, dass sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Wehr setzen sollte, als dagegensprechen. Aufgrund der Komplexität der Gesamtthematik, ist der vorausgegangene Satz repräsentativ auf alle Teilbereiche eines körperlichen Angriffs zu betrachten.

Eine der wichtigsten Argumente für eine konsequente Gegenwehr könnte sein;

Opfer welche sich nicht gewehrt haben fragen sich ein Leben lang: “Hätte ich doch wenigstens versucht mich zur Wehr zu setzen (…)“, „Was wäre, wenn ich wenigstens…?“.

Opfer welche durch schreien, strampeln, beißen, usw. versucht haben sich zu widersetzen, haben in über 70% der Übergriffe den Angreifer aus Angst vor dem entdeckt werden(!), zum Abbruch seiner Handlung zwingen können.

 

Ein (sexuell motivierter) Täter hört logischerweise(!) nicht mit seinen Handlungen auf, wenn keine Gegenwehr vom Opfer kommt, oder er/sie in sonstiger Weise gestört wird, oder während der Handlung gestört werden könnte. Diesen Tätern geht es zu großen Teilen darum Macht & Dominanz auszuüben, schlussfolgernd wählen sie sich OPFER und KEINE GEGNER als Ziel. Ein ausschlaggebendes Element ihrer Tat ist es also, Angst bei ihren Opfern auszulösen und diese aufrecht zu erhalten.

Psychischen Folgeschäden durch Übergriffe, verheilen nicht ohne weiteres, und das Opfer leidet zumeist lebenslang an der Angst und der empfundenen Scham, insbesondere dann, wenn sich das Opfer selbst immer wieder fragt, ob es nicht doch etwas gegeben hätte was es hätte tun können, als „still zu halten.“

 

Ich möchte dieses Schriftstück, meine Stellungnahme;

„Mythos & Fakten über den sexuell motivierten Täter Typ“ mit folgenden fiktiven und rhetorischen Fragen zum Nachdenken direkt an dich, liebe Leserin & Leser weiterführen:

Was antwortest du als Betroffene(r) dem Polizisten oder dem Staatsanwalt auf die Frage:

„Warum haben Sie sich denn nicht gewehrt? Wir konnten KEINE Anzeichen Ihrer Gegenwehr, wie z.B.: Kratz-, Schlag- und/oder Bissspuren beim Verdächtigen feststellen“

„Der Beschuldigte sagt aus, die Handlungen zwischen Ihnen seien einvernehmlich gewesen. Wer sagt denn nun die Wahrheit?“

Das nicht dokumentieren können von deutlichen Kampf-/Verteidigungsspuren, muss die Rechtsprechung häufig leider als ´stillschweigendes Einvernehmen´ einordnen, da entscheidende Tatbestandsmerkmale fehlen. Überlasst bitte also nichts dem Zufall, oder der „Gnade“ eines Peinigers/Angreifers. Konnte ein Opfer sich während der Tat nicht wehren, und es kommt dennoch zu einer Gerichtsverhandlung, müssen sich die Opfer, aufgrund fehlender dokumentierbarer Beweise, auch noch gegen Bagatellisierung, Demütigung und Unglauben behaupten.

 

Die Täter, welche Gewalt gegen Kinder und Frauen ausüben, nutzen und stützen ihre Macht darauf, dass sie sich auf das schamhafte Schweigen verlassen können. Schweigen aus Angst und Scham! Psychoterror und Kontrollstrategien lassen das, oder die Opfer handlungsunfähig werden. Eines der größten Probleme in dieser „Machtfalle“ gefangen zu sein, ist das stete sinken der Hemmschwelle sich zur Wehr zu setzen. Eine Negativ Abwärtsspirale. Dieses devote Verhalten fördert beim Opfer das Gefühl von Selbstschuld und Selbstverachtung, und ist „Gift“ für Selbstbewusstsein und das Vertrauen in sich selbst.

 

- Wer sich einmal Gewalt antun lässt, ohne sich zu wehren(!), wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Mehrfachopfer. (Anmerkung: Sich zu wehren, kann auch bedeuten sich jemanden anzuvertrauen und gemeinsam weitere Schritte zu planen und zu unternehmen)

- Gewalt muss nicht zwingend körperlicher Natur sein, Einschüchterung, Drohung, Demütigung, usw., gehören ebenfalls ernstgenommen.

- Es sind nicht nur Männer die Gewalt gegen Kinder oder den Partner ausüben! Alte Klischees und Rollenmuster führen zu diesem Irrglauben. Ein nicht geringer prozentualer Anteil von nicht unerheblichen Gewaltakten gegen Minderjährige und Lebenspartnern durch Frauen ist zu verzeichnen. Hier ist das Tabu darüber zu sprechen noch größer, und die Ausmaße können wir hier nur erahnen. Meist geschieht dies im privaten Umfeld, also zu Hause, was wiederum eine sehr hohe Dunkelziffer vermuten lässt. (geschätzte Dunkelziffer ist laut BKA 5-10mal so hoch)

- In fast allen Fällen kannten sich Täter und Opfer

- Mit steigendem Bekanntheitsgrad nimmt die Dauer, die Schwere der Tat und die Brutalität zu!

- Irrglaube und veraltete Einschätzungen weichen erheblich von den Statistiken ab.

  (Hierbei dient der Bezug zu den vorher genannten offiziellen Statistiken lediglich als Richtlinie)

 

Die Tatsache, dass Täter aus allen Schichten und unabhängig vom sozialen Status kommen, sollte jedem von uns einmal die ganze Thematik überdenken lassen. Darüber zu sprechen ist leider ein Tabu Thema. „Allen Tabus ist es eigen, dass sie das Nachdenken in diese Richtung hemmen und sogar komplett blockieren!“

Die meisten Menschen haben leider Gottes kein Fünkchen Zivilcourage im Leib, gerade Nachbarn scheinen davon noch nie etwas gehört zu haben. Sich also darauf zu verlassen, dass jemand kommen wird um zu helfen, ist wie das klammern an den berühmten Strohhalm. Überlasst nichts dem Zufall, und verlasst euch auf niemanden…es kann Jeden treffen.

 

Bitte prüft und hinterfragt in Bezug auf eure Kinder behutsam alles, was euch seltsam vorkommen mag, liebe Eltern und ´Care-Taker´. Hierbei spielt es auch keine Rolle wie lange und wie eng man jemanden zu kennen meint. Denn gerade da liegt die Tücke und der „Blind Spot“.

Als Vater eine 9jährigen Tochter und Patenonkel eines 18jährigen Mädels, ist mir dieses Thema und der Schutz unserer Jüngsten ein besonderes Anliegen und meine Intension ist es euch zu sensibilisieren. Durch eine Vielzahl von durchgeführten Seminaren, spezialisiert auf Frauen & Mädchen, welche sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen erlebt haben, und Kontaktpunkte mit Vergewaltigungsopfern unmittelbar im Schutzeinsatz, weiß ich um die weitreichenden traumatischen Folgen für die Betroffenen.

 

„Täter wollen OPFER und KEINEN GEGNER! Angst, auszulösen und Dominanz auszuüben, ist ein ausschlaggebendes Element ihrer Tat.“

 

Wissen ist Macht, und Können ist Sicherheit. Vergesst dies bitte nicht, wenn es darum geht eure eigene Trainingsmotivation zu reflektieren und eure Intension in den Unterricht zu kommen, zu hinterfragen.

 

 

Paderborn, 22.08.2021

 

David Stolla

Senior Trainer